Plakat Miserere und Wachet auf November 2008

Miserere und Wachet auf

  • Autor:

    KIT Kammerchor

  • Datum: 29.11.2008
  • Ort: Evangelische Stadtkirche Durlach

Mitwirkende

Kammerchor der Universität Karlsruhe
Capriccio Fredericiana

Leitung und Konzertmeister: Hubert Heitz

Solisten:
Miriam Alexandra - Sopran I
Gisela Meesmann - Sopran II
Cornelia Kolarczyk - Alt
Raimund Sturm - Tenor
Armin Kolarczyk - Bass

Marcus Kappis - Solo-Oboe
Hubert Heitz - Solo-Violine

Dirigent: Nikolaus Indlekofer

Programm

Programm Miserere und Wachet auf November 2008

Aus dem Programmheft:
Über die Werke

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann wurde 1776 in Königsberg geboren. Seine Vornamen lauteten eigentlich Ernst Theodor Wilhelm, aber als Zeichen der Verehrung für Wolfgang Amadeus
Mozart änderte er Wilhelm in Amadeus. Er erhielt früh Musikunterricht und strebte eine Künstlerlaufbahn an, begann aber nach der Schule dennoch ein Jurastudium in Berlin. Ab 1800 arbeitete er als Assessor in Posen und ab 1803 in Warschau, das er aber nach drei Jahren wegen der Kriegsereignisse verlassen musste. Er lebte wieder in Berlin und brachte sich mit Musikunterricht über die Runden. Obwohl er 1808 in Bamberg die Stelle des Musikdirektors am Theater erhielt, war seine Laufbahn als Musiker nicht von Dauer. Die Stelle wurde wieder gestrichen und Hoffmann kehrte 1814 nach Berlin zurück, wo er als Beamter am Kammergericht Arbeit fand.
Im Jahr 1822 starb Hoffmann in Berlin.
In der Bamberger Zeit entstanden die meisten seiner Kompositionen. Neben u.a. fünf Klaviersonaten, Kammermusikwerken, einer Sinfonie und vier Opern entstand im Jahr 1809 das Miserere für Soli, Chor und Orchester.
Heute ist E.T.A. Hoffmann vielmehr als Dichter bekannt, seine musikalischen Werke werden kaum aufgeführt. Er prägte aber maßgeblich den Begriff der Romantik in seinem literarischen Werk aus.
Während er von verschiedenen Zeitgenossen eher kritisch beurteilt wurde, bezeugen etliche Schriftsteller wie u.a. Heinrich Heine, Adalbert von Chamisso oder Honoré de Balzac ihre Verehrung für den Schöpfer von Werken wie „Nussknacker und Mausekönig" „Klein Zaches, genannt Zinnober" oder „Lebensansichten des Katers Murr".

In seinem „Miserere" komponierte Hoffmann über den Text des Psalms 51 eine vom klassischen Stil, insbesondere von der Musik Mozarts beeinflusste Musik. Für ihn war aber die Musik der Klassik romantisch inspiriert und er erachtete Beethoven als den größten romantischen Komponisten. Auch seine Vorliebe für kontrapunktische Formen soll über die traditionelle Chorfuge hinausweisen und als eine Art „Zaubersprache" dem Zuhörer ein „unbeschreibliches Grauen" einflößen. Im "Miserere" wird somit die Textstelle „incerta et occulta sapientiae tuae manifestasti mihi" (erschließe mir das Verborgene und Geheimnisvolle deiner Weisheit) selbstverständlich als Fuge ausgearbeitet.

Wie das Miserere von Hoffmann ist die Kantate BWV 140 von J.S. Bach inhaltlich nicht der bevorstehenden Adventszeit zugeordnet, sondern dem vergangenen, letzten Sonntag im Kirchenjahr. In Bachs Zählung ist die Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme" für den 27. Sonntag nach Trinitatis komponiert. Dieser Sonntag ist nur in Jahren mit sehr frühem Ostertermin (vor dem 27. März) vorhanden. Bach selbst erlebte diesen seltenen Fall in seiner Leipziger Zeit nur im Entstehungsjahr der Kantate 1731 und im Jahr 1742. Auch unser aktuelles Jahr 2008 hatte mit dem Ostertermin am 23. März am vergangenen Sonntag den 27. Sonntag nach Trinitatis im Kalender.

Bach verwendet die drei Strophen des Chorals von Philipp Nicolai, dessen vierhundertstem Todestag wir in diesem Jahr gedenken, als Rahmen für die Kantate. Die erste Strophe bildet den vom Sopran vorgetragenen Cantus Firmus des prächtigen Eingangschores mit einem vitalen und teilweise virtuosen kontrapunktischen Satz. In der Mitte des Werkes (Nr. 4) steht die zweite Strophe in der Besetzung für Tenor mit Violinen unisono und Basso continuo. Es ist eine der eingängigsten Eingebungen des Komponisten überhaupt. Die dritte Strophe bildet in einem schlichten vierstimmigen Choral den Abschluss des Werkes.

Zwischen diese Eckpfeiler setzt Bach in symmetrischer Anlage jeweils ein Recitativ und ein Duett für Bass und Sopran Solo. Beide Duette sind vom Dialogcharakter geprägt, in dem die Seele des Christen als „Braut" (Sopran) und Jesus als „Bräutigam" (Bass) Zwiesprache halten. Die den Texten zugrundeliegenden Bibelstellen stammen mehrheitlich aus dem Hohelied Salomonis.

Nikolaus Indlekofer

Programmheft.pdf